Seit vielen Jahren vertrete ich als Anwältin neben Erwachsenen auch Kinder und Jugendliche, oftmals in hochstrittigen Trennungs- und Scheidungsverfahren. In solchen hochkonfliktösen Angelegenheiten werden Kinder in Loyalitätskonflikte gestürzt, vielen geht es psychisch nicht gut, sie werden schlechter in der Schule, das Selbstbewusstsein leidet, sie weisen Verhaltensauffälligkeiten auf.
BG Kreis Eva Ashinze, Anwältin, Coach, Autorin -professinelle Hilfe bei Trennung und Scheidung
Das heisst nicht, dass man um der Kinder Willen zusammen bleiben soll. Gemäss Studien richten solche Arrangements, in denen die Eltern unglücklich und unzufrieden sind und unterschwellig oder offen ein Groll gehegt wird, noch mehr Schaden an als dass sie nutzen. Es ist aber wichtig, dass Eltern in Trennung oder Scheidung einfühlsam und vorsichtig mit der Gefühlswelt ihrer Kinder umgehen, sich zum Wohl der Kinder verständigen und möglichst an einem Strang ziehen. Ganz ohne Schmerz, Streit und Auseinandersetzung wird eine Trennung nie ablaufen, aber zum Schutz der Kinder sollte man sein möglichstes Geben, auch wenn es nicht einfach ist.
Wie schafft man das? Wie kann man trotz Trennung gemeinsam Eltern bleiben? Wie kommuniziert man ohne Missverständnisse mit dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin?

  1. Deine Kinder sind nicht deine Freunde

Diese Regel ist enorm wichtig. Deine Kinder sind weder deine Freunde noch sollten sie es sein. Egal, wie alt sie sind, mach sie nicht zu deinen Vertrauten im Zusammenhang mit der Trennung, nenne ihnen keine Details, schimpfe nicht über den anderen Elternteil, suche nicht Trost oder Bestätigung bei den Kindern. Missbrauche die Kinder nicht als Boten, sende dem anderen Elternteil keine Nachrichten durch die Kinder. Vermittle den Kindern kein schlechtes Gewissen, weil sie eine schöne Zeit mit dem Vater / der Mutter haben. Das ist alles leicht gesagt aber schwierig umzusetzen. Der nächste Punkt hilft dir dabei.

  1. Lerne mit deinen negativen Gefühle umzugehen und sie zu bewältigen

Wie heisst es im Flugzeug so schön: Setze zuerst deine eigen Sauerstoffmaske auf. Das gilt auch hier. Solange du deine mannigfaltigen Gefühle, die bei praktisch jeder Trennung oder Scheidung hochkommen – Wut, Ärger, Traurigkeit, Scham, Reue, Schuld, Sehnsucht, Angst  – nicht bewusst verarbeitest, ist es schwierig, dem Ex-Partner/der Ex-Partnerin neutral zu begegnen und das Wohl der Kinder im Auge zu haben. Du kommst dir dabei selbst immer wieder in die Quere. Lerne, diese Gefühle zu benennen, zu bewältigen und in etwas Positives zu verändern.

  1. Erkenne schädliche Verhaltensmuster und ändere sie

Wenn man seinen eigenen Anteil an der gescheiterten Beziehung nicht erkennt oder nicht erkennen will und nur dem anderen die Schuld gibt, ist es praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, nach der Trennung gemeinsam gut erziehen zu können.  Um gemeinsam gut erziehen zu können, ist es wichtig, selbstschädigende Verhaltensmuster in Partnerschaften zu identifizieren und positiv zu verändern. Das macht den Blick frei für eine neue Sicht der Dinge auf dich und deinen Ex-Partner / deine Ex-Partnerin. Versuche selbst herauszufinden, was dich (negativ) prägt und hole dir Hilfe, wenn dir das schwer fällt.

  1. Kommunikation auf Augenhöhe

Eine konstruktive Kommunikation ist absolut wesentlich, um auch nach der Trennung gemeinsam gut erziehen zu können. Wenn du deine negativen Gefühle bewältigt hast und dir deine unbewussten Verhaltensmuster klarer sind, ist der nächste Schritt, eine solche Kommunikation zwischen dir und deinem Ex-Partner / deiner Ex-Partnerin zu etablieren. Sende Ich-Botschaften, statt Vorwürfe zu machen. Versuche zu kommunizieren, wie du dich fühlst. Versetze dich in den anderen Elternteil und nimm seine Perspektive ein, bevor du etwas sagst oder schreibst. Manchmal ist zu Beginn der Trennung die mündliche Kommunikation schwierig. Verwende einen Messengerdienst oder E-Mail. Schreibe nie in der Wut. Lies vor dem Absenden alles noch einmal durch und überlege, wie deine Nachricht ankommt. Es gibt auch Apps für getrennte Eltern, die gerade für rein organisatorische Angelegenheiten rund um die Kinder Sinn machen können und in schwierigen Anfangsphasen den Umgang erleichtern.

  1. Eine gemeinsame Basis schaffen ist von Vorteil, aber es ist auch kein Weltuntergang, wenn es bei Papa so ist und bei Mama anders

Gibt es gemeinsame Grundsätze zwischen dir und dem anderen Elternteil, was die Erziehung anbelangt? Habt ihr gemeinsame Werte und Überzeugungen? Könnte ihr euch auf No Go’s einigen? Wo könnt ihr aufeinander zugehen? Es ist von Vorteil, wenn sich getrennte Eltern hierüber austauschen können und so eine gemeinsame Basis schaffen. Aber natürlich erzieht jeder Elternteil auch individuell und man findet sich nicht in allen Punkten (oder sogar nur in ganz wenigen). Auch das ist in Ordnung. Kinder kommen mit unterschiedlichen Regeln gut zurecht, sie kennen das aus der Schule, dem Kindergarten oder bei den Grosseltern. Es ist nicht notwendig, dass Eltern alles genau gleichmachen. Aber du solltest seinem Kind auf keinen Fall bewiesen wollen, dass du der bessere Elternteil bist. Elternschaft ist kein Wettbewerb.

Vieles ist möglich, um nach einer Trennung oder Scheidung gemeinsam gute Eltern zu bleiben. Wichtig ist, dass du dich deinen eigenen Themen stellst, deinen Gefühlen, Prägungen und Verhaltensmustern. Im Idealfall macht der andere Elternteil das auch, aber wenn nicht, dann ist es so. Ändern kannst du nur dich selbst und deine Verhaltensweisen. Ein Trennungscoaching mit dem Fokus auf der gemeinsamen Elternschaft ist eine gute Methode, sich seiner Themen bewusst zu werden und diese aktiv anzugehen, sei es alleine oder gemeinsam mit dem anderen Elternteil. Vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch, wenn du mehr darüber wissen möchtest.

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