Amber Heard und Johnny Depp haben einen geführt, Angelina Jolie und Brad Pitt ebenso: Einen Rosenkrieg. Heisse Liebe wird zu kaltem Hass, das Auseinandergehen wird zu einer Scheidungsschlacht. Jede zehnte Trennung endet in einem solch erbitterten Kampf, beschäftigt Anwälte, Gutachter und Gerichte. Wann immer möglich, ist ein Rosenkrieg zu vermeiden, da die Folgen für die gemeinsamen Kinder, die Finanzen und die eigene Psyche fatal sind.

Rosenkrieg und Kinder
Wenn Elternteile sich permanent streiten, sei es vor oder nach der Trennung, dann hat das unweigerlich einen grossen Einfluss auf ein gemeinsames Kind. Es kann sein, dass das Kind die Schuld für die Krise der Eltern bei sich sucht. Die Eltern haben sich nicht im Griff, das Kind sucht nach einer Erklärung für den permanenten Streit und findet diese bei sich selbst: Wenn meine Eltern derart unglücklich sind, dann muss es wohl an mir liegen. Es übernimmt Verantwortung für eine Situation, für die es nun gerade gar nichts kann. Es kann sein, dass das Kind in einen grossen Loyalitätskonflikt gerät. Beide Elternteile wollen es – manchmal auch unbewusst – auf seine Seite ziehen. Sie verlangen vom Kind, dass es sich positioniert, einen Elternteil an den «besseren» wählt. Aber wie soll es das tun, ohne einen Elternteil zu verletzen und einen Teil von sich selbst zu negieren? Das Kind stammt von beiden Elternteilen ab. Es liebt im Normalfall beide Elternteile und will auch, dass beide es liebhaben. Gleichzeitig will es einen sicheren Rahmen, um sich frei entfalten zu können. Bei einem Rosenkrieg ist das nicht mehr gegeben. Die Eltern beeinflussen das Kind aktiv oder passiv, es wird schlecht über den anderen Elternteil geredet, nach einem Besuch wird man ausgefragt, kann nicht mehr frei erzählen, die Mutter oder der Vater weint, das Kind wird zu einem emotionalen Ersatz für den Partner – das ist alles viel zu viel für ein Kind. Es wird Strategien entwickeln, um mit dieser Situation umzugehen. Vielleicht bricht es den Kontakt zu einem Elternteil ab, damit es nicht mehr in diesem Spannungsfeld sein muss. Vielleicht reagiert es mit Auffälligkeiten oder Krankheiten – Wutanfälle, Neurodermitis, Adipositas, extreme Müdigkeit -, da diese eine Ablenkung von dem ganzen anderen Mist sind und Krankheiten Fürsorge fordern. Bei älteren Kindern sind es dann vielleicht eher Drogen, Alkohol oder Anorexie. Drogen und Alkohol töten die Gefühle ab, Magersucht verschafft das Gefühl, die Kontrolle zu haben in einer unsicheren Umgebung. Auch Langzeitfolgen sollten nicht unterschätzt werden. Kinder, die den Rosenkrieg der Eltern miterleben, bleiben oft ein Leben lang belastet, Unsere Kinder möchten das Gefühl haben, von jemand Wunderbarem abzustammen. Ein Rosenkrieg macht dies zunichte. Jeder Seitenhieb gegen den anderen Elternteil ist ein Stich in die Seele des Kindes. Und die Erwachsenen sind zu blind, zu sehr mit einem Tunnelblick unterwegs, um dies zu realisieren.

Rosenkrieg und Finanzen
Eine Scheidung kommt einen sowieso schon teuer zu stehen. Plötzlich sind da zwei Haushalte, die finanziert werden müssen, das gemeinsame Vermögen wird aufgeteilt, ebenso die Vorsorge. Das alles bringt finanzielle Einbussen mit sich. Will man da wirklich noch ein kleines Vermögen ausgeben für den Anwalt, die Gerichtskosten, die Gutachter? Und ich meine tatsächlich ein kleines Vermögen. Streiten sich die Eltern derart erbittert um die Kinder, dann ordnet das Gericht ein Gutachten an, das schnell einmal gegen die CHF 20’000 kostet. Die Rechnung des Anwalts bei einer hochstrittigen Scheidung fällt mindestens ebenso hoch aus, meist höher, denn Urteile bei Rosenkriegen werden regelmässig durch alle Instanzen gezogen. Und die Gerichtskosten sind da noch nicht einmal dabei. Es gibt sicherlich schönere und angenehmere Dinge, für die man sein Geld ausgeben kann.

Rosenkrieg und Psyche
Ein Rosenkrieg ist eine grosse Belastung für die Psyche. Die involvierten Parteien sind andauerndem Stress, Ärger und Ängsten ausgesetzt. Viele tragen auch körperliche Symptome davon wie Herzrasen oder hohen Blutdruck. Ehepartner, deren Scheidung sich über Jahre hinweg hinzieht und äusserst hässlich ist, entwickeln zum Teil Symptome ähnlich denen bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Bei einem Rosenkrieg ist der Gegner unberechenbar. Man weiss nie, wann wieder ein Antrag bei Gericht eingereicht wird und was dieser Antrag beinhaltet. Man kann nicht zur Ruhe kommen, nicht abschliessen, und zwar über Jahre hinweg. Die längste Scheidung, die ich je begleitet habe, dauerte mehr als fünf Jahre. Fünf Jahre der Unsicherheit, des Hasses, der finanziellen und psychischen Belastung.

Weshalb Paare dennoch in den Rosenkrieg ziehen
Manche können einfach nicht anders, obwohl sie wissen, dass es kein guter Weg ist. Die Gefühle haben sie im Griff. Der Verstand setzt aus. Sie können den anderen nicht loslassen. Streit und Krieg ist eine Form der Intimität. Durch den jahrelangen Scheidungskrieg ist man zwangsläufig aneinandergebunden. Oder man will vermeiden, sich mit dem eigenen Anteil, der eigenen Schuld auseinanderzusetzen. Solange der andere der Schuldige ist, muss man an sich selbst nichts ändern. Es ist einfacher, das Opfer zu sein als der Täter. Manchmal wird man auch Teil eines Rosenkriegs, ohne dies zu wollen. Wenn der Expartner einen Kampf beginnt, wahnwitzige Forderungen stellt oder einem Dinge unterstellt, dann muss man sich wehren. Vielleicht will man auch einfach einmal Recht bekommen. Der andere hat einen in der Beziehung bereits vernachlässigt, keine Anerkennung gezeigt, keine Zuneigung und Wärme. Jetzt holt man sich auf andere Weise, was einen seit Jahren zuzustehen scheint. Es soll endlich Gerechtigkeit geschehen. Ob einem das nach dem Rosenkrieg tatsächlich vergönnt ist, ist fraglich. Es gibt äusserst wenige Fälle, in denen sich ein Rosenkrieg tatsächlich lohnt, zu gross sind die Verluste.